tutorium_chroma

Nach der Zwei-Komponenten-Theorie der Tonhöhenwahrnehmung von Geza Revesz (1878-1955) nehmen wir die Tonhöhe einerseits als absolute Tonhöhe war, andererseits in zyklisch wiederkehrenden Oktavähnlichkeiten, den sog. Chroma (dt. Tonfarben). Unser zwölftöniges (chromatisches) Tonsystem unterteilt sich z.B. in 12 Chroma oder 'Tonhöhenklassen'.

Die Stärke der einzelnen Chromaklassen kann in Abhängigkeit von der Zeit gemessen werden, in dem die spektrale Energie in den entsprechenden Frequenzbändern über alle Oktaven hinweg addiert wird. Hierzu stehen mehrere Vamp Plugins zur Verfügung.

 Starten Sie den Sonic Visualiser.
 Laden Sie bitte die Audio-Datei von Ray Charles "Comeback Baby" (Audio02.mp3).
 Wählen Sie im Menupunkt 'Transform' - 'Analysis by maker' - 'Queen Mary, University of London' - 'Chromagram: Chromagram...'. 

Audio02.mp3

Es öffnet sich nun folgendes Fenster:

Hier können Sie mehrere Einstellungen vornehmen:
- Tonumfang in MIDI-Noten: Wählen Sie den Tonumfang, der für die Aufnahme relevant ist; 60 = mittleres c' (= C4); sinnvoll ist ein Bereich ab dem C2 = 36
- Tuning: Hier können Sie Abweichungen der Stimmung vom Kammerton 440 Hz eingeben.
- Bins per Octave: 12. Sie können hier auch ein ein feineres oder groberes Tonhöhenraster wählen, z.B. in 24 gleiche Schritte pro Oktave (also Vierteltöne).
- Advanced: Hier können Veränderung des Analysefensters vorgenommen werden.

Auf dem Layer-Tab können Sie zwischen verschiedenen Colour-Schemata wählen sowie mit 'Scale' den Kontrast zwischen starken und schwachen Bereichen verstärken. Drehen Sie dazu an dem Rädchen rechts oder wählen Sie eine Option im Feld daneben (Normalization).

Tipp: Wenn Sie sich bei der Stimmung unsicher sind, so können Sie diese mit einem Plugin Matthias Mauch messen: Transform - Analysis by maker - Matthias Mauch - Tunin: Tuning…

Im Plugin-Paket NNLS Chroma (Matthias Mauch) sind verschiedene Chroma-Plugins integriert. Diese enthalten bereits eine Abstimmung auf die globale (oder lokale) Stimmung.

 Wählen Sie 'Transform' - 'Analysis by maker' - 'Matthias Mauch' - 'NNLS Chroma: Chromagram' 
 Akzeptieren Sie die Voreinstellungen. 
 Vergleichen Sie das Ergebnis mit dem vorherigen Chromagramm. 
 

Außerdem gibt es hier die Möglichkeit, parallel Chromagramme für den Bassbereich und den restlichen Frequenzbereich anzeigen zu lassen. (Im Bassbereich greift eine andere Berechnungsmethode.)

 Wählen Sie 'Transform' - 'Analysis by maker' - 'Matthias Mauch' - 'NNLS Chroma: Chromagram and Bass Chromogram' 
 Akzeptieren Sie die Voreinstellungen. 
 Vergleichen Sie das Ergebnis mit dem vorherigen Chromagramm. 

Die Chromas können nun dazu verwendet werden, die lokale Harmonik einer Aufnahme zu bestimmen. Dazu wird die lokale Chroma-Verteilung mit entsprechenden harmonischen Mustern eines Akkord-Lexikons verglichen. In Chordino wird die lokale Harmonik durch Akkordsymbole dargestellt.

 Wählen Sie im Menupunkt 'Transform' - 'Analysis by maker' - 'Matthias Mauch' - 'Chordino: Chord Estimate'.
 Die Voreinstellungen können Sie in diesem Falle übernehmen.  
 

Die lokalen Akkorde werden nun in einem Regions Layer als wechselnde Regionen angezeigt, in denen jeweils der Akkord vermerkt ist.
Wenn Sie auf der Tastatur den Buchstaben 'E' drücken, wird Ihnen die Abfolge der Akkorde in einer Liste angezeigt. Diese Liste können Sie durch den Menubefehl File → Export Annotation Layer (Ctrl. Y) als Datei exportieren.

Sie können sich die Akkorde parallel zum Audio anhören, wenn Sie die Transformation Transform - Analysis by maker - Matthias Mauch - Note Representation of Chord Estimate wählen, wodurch ein Note Layer erzeugt wird; beim Abspielen erklingen gemeinsam mit dem Audio die dort vermerkten Akkorde.
Ganz unten auf dem Layer-Tab (rechts oberhalb des Geschwindigkeitsrädchens) befinden sich drei Symbole für die Abspielmodalitäten:

  • Punkte, links: Lautstärke der Layer-Akkorde
  • Lautsprecher, Mitte: An- und Ausschalten der Akkord-Sounds
  • Mischpult, rechts: Wahl des Sounds (wählen Sie das Piano!)
  • mit Show können Sie zudem die Layer-Ansicht verbergen
Woran könnte es liegen, dass die Chordino-Akkorde manchmal etwas früher erklingen, als die Akkorde der Begleitband?

Wählen Sie die Aufnahme eines Songs, bei dem Sie immer schon die Harmonien wissen wollten, lassen Sie sich Akkorde mit Chordino anzeigen und überprüfen Sie auditiv, ob die Akkorde tatsächlich passen.

  • tutorium_chroma.txt
  • Zuletzt geändert: 2021/10/29 16:45
  • von andres_romero